Entdecken Sie die Kathedrale von Trento

Beschreibung der Kunst der Geschichte der Kathedrale.

Geschichte des Doms

Beschreibung

Wer heute den Dom zu Trient besuchen will, soll den Blick in Raum und Zeit rahmen. Die den dem Diözesanpatron, dem hl.Virgilius geweihte Kathedrale, präsentiert sich zum grössten Platz der Stadt mit ihrer Schauseite, vom Glockenturm angefangenund vom festen Baukörper mit Vierung der Kuppel bis zum alten
Castelletto der die ehemalige Pfalzkappelle der Fürstbischöfe enthält und zum folgenden Palazzo Pretorio, der heute das Diözesanmuseum mit dem Domschatz und den wertvollen Sammlungen der sakralen Kunst des Landes bewahrt.

1. Luftbild von Trient, mit Dom, Castelletto, Palazzo Pretorio und Stadtturm.
BAUGESCHICHTE
2. Topographische Darstellung von Trient mit seinen Kirchen. (5.-12. Jh.).

Die Chronologie des Trienter Doms hat aufgrund der jüngsten historischen Untersuchungen und erfolgreichen archäologischen Entdeckungen endlich ihr wissenschaftliches Profil erhalten.

Das alte römische Tridentum, das sich wesentlich bis zur Völkerwanderungszeit erhalten hat, besaß zwei Kirchen, die dem Namen und der Stellung nach verschieden sind. Innerhalb der römischen Stadtmauern, wo sich heute die Pfarrkirche Santa Maria Maggiore erhebt, befand sich eine ecclesia, d.h. die normale Seelsorgskirche, mit anschließenden Bischofsresidenz und Fürsorgeeinrichtungen. Kaum ausserhalb des alten Stadttores dagegen (das sich am Fuß des heutigen Stadtturms befand) an der Strasse die nach Verona führte, befand sich eine basilica, d.h ein Gedenkbau zu Ehren der Heiligen (Martyrium), deren Resten unter dem Boden des heutigen Domes neulich entdeckt wurden.

Diese alte Basilika des hl. Vigilius, die in einem eigenen Kapitel beschrieben wird (siehe S. ..), war ursprünglich als Grabstätte der drei Glaubensboten - Sisinius, Martyrius und Alexander - errichtet worden, die mitten in ihrer Missionsarbeit in der damaligen Anaunia (heute Nonsberg)von der heidnischen Landbevölkerung am 29. Mai 397 erschlagen wurden. Die ihnen vom Bischof Vigilius gewidmete Märtyrerverehrung hat als unterzertrennlichen Beitrag die Errichtung einer eigenen Beisetzungskirche gehabt. Vigilius selbst, nach seinem wahrscheinlich im Jahr 400 erfolgten Tod,wurde neben den drei Märtyrern beigesetzt und somit ihrer Verehrung zugesellt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das sakrale Gebäude mehrmals umgebaut und am 18. November 1145 vom Patriarchen von Aquileja und dem Trentiner Bischof Altmann mit liturgischer Dedikationsweihe ausgezeichnet.

Dazwischen war die alte Basilika wegen der Verlegung der bischöflichen Residenz zur Kathedrale geworden. In einer besonders glücklichen Zeit seiner Regierung fasste der Fürstbischof Friedrich von Wangen den Beschluss, das alte Gebäude mit dem neuen Dom zu ersetzen. Der Auftrag zum Neubau wurde im Jahr 1212 dem Baumeister Adamo aus Arogno (einem Ort im heutigen Tessin) verliehen, den als Stammvater einer Familie von Baumeisterfamilie von Comersee (Maestri comacini) lange Zeit hier wirkte. Das neue Bauwerk wuchs in den folgenden Jahren und konnte nach der Jahrhundertmitte an die Stelle der alten Basilika treten. Es handelte sich wesentlich um eine romanische Anlage, was nicht nur im Apsisbereich und Querschiff zu sehen ist, sondern auch an den Umfassungsmauern, die eine Doppelturmfassade vorsahen. Im Inneren dagegen ist der Raum mit Hauptschiff und Nebenschiffen gotisch geprägt und erst im 14. Jahrhudert endgültig gestaltet. Einige Ergänzungen – vor allem im Bereich der Fassadeninnenwand und des Vierungsturms über dem Querhaus – wurde erst im 15. und 16. Jahrhundert durchgeführt. In der Barockzeit (1682) wurde an der Südseite die Cappella Alberti zugefügt. Zwischen 1739 und 1743 wurden die Vierung und das Querschiff tiefgreifend umgestaltet, wobei die Krypta abgerissen, der Chor und das Presbyterium nach der heutigen Höhe gestaltet und die Errichtung des auffälligen Altars mit Baldachin durchgeführt wurden .In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts und in der Zeit bis zum ersten Weltkrieg ließ die österreichische Regierung bemerkenswerte bauliche Eingriffe vornehmen. Unter anderem wurde das bisherige Tonnendach in ein Satteldach verwandelt und das Tiburium mit einer romanischen Kuppel ersetzt. Bei den jüngsten, in den Jahren 1963-1977 vom Erzbischof Alessandro M. Gottardi durchgeführten Arbeiten wurden die zwei Arme des Querschiffs wieder auf die ursprüngliche Höhe gebracht, das Presbyterium den neuen liturgischen Erfordernissen gemäß gestaltet und die alten unterirdischen Räume freigelegt.

3. Die Nordseite des Doms gegen den Platz.
DIE AUSSENANSICHT

Die Nordseite des Domes, vom Domplatz her nicht gänzlich sichtbar, umfasst auch den Chor, der jenseits des zinnengekrönten Baus des Castelletto hinausragt, sowie die kleinere Apsis an der Ostseite des Querhauses mit der anschließenden Eingangstür (b), die mit wichtigen Marmorreliefs geschmückt ist.

4. Das dreischiffige hat die Form eines lateinischen Kreuzes, während die zwei Seitenapsiden vom Querhaus ausgehen.

5. Teilansicht der Domnordseite mit dem Glücksrad.

Das Querschiff weist an der auf den Domplatz schauende Stirnseite eine große Fensterrose mit dem Glücksrad (c) auf, einem im späten 13. Jahrhundert geschaffenen Werk eines aus Meisters aus der Familie von Campione, die in der Zeit die Nachfolge der Arogneser übernimmt. Die mythische Fortuna in der Radmitte bringt die große Rose mit den zwölf Blättern zum Drehen, die die raschen Stunden des menschlichen Tages bezeichnen. Am Radaußenrand dagegen sind zwölf gegen den Uhrzeigersinn kreisende Männchen angebracht, die bis zum Höhepunkt des Glücks aufsteigen, und sich dann mit dem Rad biegen, stürzen und liegen.

Am Wandfuß sind in Manneshöhe einige Trentiner Längenmaße in den Stein geritzt, wie die Rute, der Schritt und die Elle, die an Markttagen zur Kontrolle dienten.

Es folgt das Protyrum des 16. Jahrhunderts (d), das als Vorhalle der sogenannten „Bischofspforte” vorgesetzt ist: denn hier hielten die prächtigen Prozessionen, die von der bischöflichen Residenz im Schloss Buonconsiglio durch die ehemalige Via Larga (die heutige Via Belenzani) zum Dom kamen, ihren feierlichen Einzug. An dieser Vorhalle, auf deren Tympanon sich ein steinernes, den hl. Vigilius darstellendes Relief befindet, haben die zwei säulentragenden Löwen vom romanischen Stufenportal an der Domflanke neue Verwendung gefunden. In der Portallünette ist ein Pantokrator mit den vier unterschiedlich großen Evangelistensymbolen zu sehen, eine wertvolle, ältere Steinmetzarbeit (aus dem Umkreis des Adamo d’Arogno), die zu einem späteren Zeitpunkt hier angebracht worden ist.

Die übrige Domflanke bis zum Glockenturm zeigt die Solidität und Würde, die der aus sorgfältig bearbeitetem einheimischem Gestein erbauten Kirche zu eigen ist. Die noch vorhandenen Lisenen zeugen von einer ursprünglich anderen baulichen Anlage, die aber aufgegeben wurde, als die obigen Fenster eingefügt wurden. Jedenfalls hat der Dom eine recht komplexe Baugeschichte, die zur Zeit noch untersucht wird. In die Wandfläche wurden horizontal auch drei behauene Steine aus römischer Zeit eingefügt, deren Friese unter anderem einen Dreizack (ital. tridente) aufweisen, dessen Name durch etymologische Phantasien mit dem alten Stadtnamen Tridentum in Verbindung gebracht wurde.

Den krönenden Abschluss der Nordseite des Doms bildet eine begehbare, auf vielen kleinen romanischen Säulen ruhende Galerie, die man durch eine Tür beim Glockenturm erreicht und die auch über das Querhaus hinausgeht, den gesamten Apsisbereich umfasst und sich bis zum südlichen Querschiff hinzieht.

Im Fenster des Glockenturms (e) befindet sich eine eigenartige, bisher wenig beachtete Serie von Skulpturen, die anscheinend dem comaskischen Steinmetzen Egidio da Campione zuzuschreiben sind und aus den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts stammen.

Die Westfassade (f) ist von der doppeltürmigen Anlage geprägt. Einer der beiden Kampanile blieb aber infolge der tief greifenden Veränderungen, die am Innenraum vorgenommen wurden, unvollendet. Der nördliche Glockenturm, der innen auf zwei Bogen ruht, wurde zu verschiedenen Zeiten aufgestockt und zwischen 1703 und 1717 mit der Zwiebelhaube gekrönt, die dann in den Trentiner Tälern so häufig nachgeahmt wurde. Da der Kirchenvorplatz bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts recht klein war, ist diese Fassade so angelegt worden, dass sie vor allem aus der Nähe wirkt. Beherrschend ist das gestufte Hauptportal, dessen Architrav Weinblattornamente trägt, während sich in der Lünette ein Fresko befindet, das die hl. Maria, den hl. Vigilius und einen anderen Heiligen darstellt. Die mächtige Fensterrose mit dem Pantokrator und den vier Evangelistensymbolen, dem Vierpaß und den 16 mit marmornen Maßwerkornamenten gegliederten Blättern wird ebenfalls Egidio da Campione zugeschrieben und auf die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts datiert. Der obere Fassadenteil mit dem Auge und den gegen den Gipfel ansteigenden Arkaden sind bei Restaurierungsarbeiten im späten 19. Jahrhundert angelegt worden.

6. Fenster am Campanile mit Plastiken aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Am äussersten Rand des unvollendeten Glockenturms ist eine Inschrift zu lesen, die den Verdienst des Adeligen Guglielmo di Caselbarco rühmt und mit der Jahreszahl 1309 wertvolle Hinweise auf die Baugeschichte dieses Gebäudeteils und der Südflanke liefert.

Vor der Südseite des Doms dehnt sich der von den Domherrenhäusern gesäumte Kirchplatz (heute: Piazza Adamo d’Arogno) aus. Auf dem Platz steht eine in jüngster Zeit vom Bildhauer Stefano Zuech geschaffene Statue des hl. Vigilius.

7.Die Südseite mit dem Castelbarco-Wappen und der Alberti-Cappelle.

Diese Flanke des Doms ist einfacher und gleichförmiger gestaltet, und sie wird von Lisenen und kleinen Bogen gegliedert, die auf in Stein gehauenen Tier- und Menschenköpfen ruhen. Das Löwenwappen der Familie Castelbarco ermöglicht eine Datierung auf das 14. Jahrhundert. Der hier ausragende Baukörper gehört zur barocken Alberti Kappelle, deren Kuppel eine gewisse Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Vierungsturm des Domes aus dem 16. Jahrhundert aufweist.

Zwischen der Alberti-Kapelle und dem Querhausflügel (g) besteht ein kleines romanisches Seitenportal mit freskengeschmückter Lünette. Die Kante mit dem Südflügel des Querhauses ist abgestumpft und enthält in der Abkantung die Wendeltreppe zu den höher gelegenen Bauteilen. Eine Inschrift in gotischen Lettern erinnert an den 1300 verstorbenen Domherrn Jacobus Comes, einen der letzten Abkömmlinge der Adelsfamilie der Eppan. In die Seitenwand der Alberti-Kapelle sind mehrere Grabplatten eingelassen worden, die sich im Fußboden des Doms befanden, aber im späten 19. Jahrhundert von dort entfernt wurden.

8. Der Apsisbereich mit Nebenapsis und Vorhalle.

Außergewöhnlich reich an architektonischen und ornamentalen Elementen ist der Apsisbereich. An der Hauptapsis (h) ist das untere, der Krypta entsprechende Geschoss, klar vom Obergeschoss mit dem Chor unterschieden. Von diesem ist die Wandfläche durch die hohe, elegant gestufte Rundbogenfenster harmonisch untergliedert, zugleich aber auch durch das bewegte Spiel der Elemente so bereichert, dass das Gleichgewicht zwischen Architektur und Ornament fast aufgehoben wird: geradezu symptomatisch hierfür sind die auf Greifen ruhenden Knotensäulen.

Neben der Hauptapsis ragt aus dem Südflügel des Querhauses die kleine, weniger reich gestaltete Seitenapsis (i) hervor. Seitlich davon tut sich eine weitere, schmale und schlanke Vorhalle, die von Atlanten und einem Löwen getragen wird auf. Diese Skulpturen werden - wie auch der kleine Löwe über der Vorhalle, die Flachreliefs mit Löwen und Drachen seitlich des Portals und die zwei geflügelten Greifen am Fuß des mittleren Fensters der Hauptapsis - guten comaskischen Steinmetzen zugeschrieben, die nach der Mitte des 13. Jahrhunderts, zur Regierungszeit des 1273 verstorbenen Bischofs Egno von Eppan, hier tätig waren.

An der Hauptapsis befinden sich auch zwei Inschriften: Die eine, die am Fuß der südöstlichen Kante eingemauert ist, bezieht sich auf den Archidiakon Bonifacio di Castelbarco (gest. 1238), die andere, an der Ostseite derselben Kante, erinnert an den Baumeister Adamo d’Arogno und den ihm im Jahr 1212 erteilten Bauauftrag; sie ist Ende des 13. Jahrhunderts eingefügt worden und bezeichnet seine Grabstätte und die seiner Nachkommen.

Der Apsisbereich bleibt dem Blick zum Teil verborgen, da er teilweise vom Castelletto verdeckt wird, sodass das nördliche Querhaus mit der entsprechenden Apsis und dem Seitenportal von hier nicht zu sehen sind. Im Souterrain des Castelletto befand sich eine Johannes dem Täufer geweihte Kapelle, im Hochparterre die große, dem heiligen Kreuz und den Heiligen Blasius und Luzia gewidmete Kapelle des Bischofspalais. Das Gebäude und seine Apsis waren im Jahr 1071 eingeweiht, aber im frühen 13. Jahrhundert - zusammen mit dem darüber gelegenen, mit dreibogigen Fenstern versehenen Saal und dem kleinen Glockenturm (der in einer Trentiner Legende mit dem heiligen Einsiedler Romedius vom Nonsberg in Verbindung gebracht wurde) - von Bischof Friedrich von Wangen (1207-1218) umgebaut worden. Viele Jahre lang hielten die Historiker dieses Bauwerk für die alte, frühchristliche Basilika des hl. Vigilius. Aber diese These ist heute endgültig entkräftet worden.


DAS INNERE

Gesamtblick. Die Dombaumeister haben es verstanden, zwei zeitlich und stilistisch unterschiedliche Gebäudeteile zu einem harmonischen Ganzen zu verbinden. Die Anlage des Presbyteriums, mit Vierung und Querhaus folgt einen Quadratischen System, mit massiven Körperteilen, die sich ananeinander fügen. Die echt romanische Einrichtung geht auf die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Das Hauptschiff dagegen, das mit den schlanken Bündelpfeilern und seinen rechteckigen Jochen stark vertikal entwickelt ist, hat hundert Jahre später seine Gestalt bekommen.

9. Querschmitt von Presbyterium, Krypta und Querhaus in ihrer ursprünlichen Form.

Zwischen den beiden Glockentürmen an der Fassade würde man sich einen eigentlichen Narthex erwarten, dagegen wird dieser Raum schon als Teil des Kircheninnneren verwendet und als ersten der sieben Jochen des Hauptschiffes gezählt. Diese expansive Tendenz des Raumes wird auch durch die Eckstellung der Bündelpfeiler und durch die Höhe der Bogen begünstigt, die zwar eine basilikale Struktur beibehalten, aber eine räumliche Ausdehnung zulassem, wobei die beiden Seitenschiffen mitatmen, ohne eine scharfe Trennung zu betonen. Die Seitenwände sind somit dem gesamten Innenraum direkt angepasst und wurden deshalb viel sorgfältiger ausgestaltet, als es normalerweise der Fall ist. Den zwei in die Mauer eingefügten ansteigenden Treppen (l) kommt die Aufgabe zu, die Wand aufzulockern und zugleich den Raum auszuweiten. Diese Treppen, die in der Baugeschichte recht eigenartig und selten sind, steigen nach rückwärts an und bilden Kontrast und Ausgleich zu der prozessionalen Bewegung des Bauwerkes, die vom Hauptportal zum Hochaltar führt. Diese Elemente, wie auch die Verwendung des Flachbogens an den Gewölben und die fast totale Abwesenheit der Spitzboden , beveisen eine gelungene Harmonisierung des romanischen mit dem gotischen Stil, die vielleicht als Hauptmerkmal des Domes von Trient gelten kann.

10. Querblick des Inneren von Südost nach Nordwest.

Zweifellos hat die Verbindung dieser so verschiedenen Elemente im Laufe der Zeit auch zu statischen und ästhetischen Problemen geführt. Der Innenraum wurde übermäßig lang (ohne das erste Joch weist das Hauptschiff drei quadratische Raumfelder auf). Die äußerst hohe Loggia, die sich an der Fassadeninnenseite zwischen den beiden Glockentürmen einfügt, ist weder eine Sängertribüne noch eine Orgelempore, sondern lediglich eine Brücke die die Aufgabe hat, den verschiedenen Strukturen eine bessere statische Sicherheit zu verleihen.

Das Presbyterium und der Chor (m) sind im 18. Jahrhundert tiefgreifenden Veränderungen unterzogen worden.

Bis zum Jahr 1739 belegte diesen Raum eine Krypta, deren Boden 1,10 m unter dem Kirchenboden lag. Zugang zu ihr bildeten die drei grossen Bogen an der Stirnseite und je zwei Seiteneingänge von den entsprechenden Querschiffarmen. Darüber, auf einer Höhe von 4,30 m über den Fussboden der Kirche, erhob sich die Fläche des Chores und des Presbyteriums mit Altar. Diese Etage, die durch Holzschranken vom übrigen Raum der Kirche eigens abgegrenzt wurde, ist als Versammlungssaal für das Konzil von Trient verwendet worden, das hier fast alle seine „Sessionen“ abhielt. Der radikale Umbau, der zur heutigen Gestalt der Anlage geführt hat, geht auf ein Gelübde zurück, das die Stadt anlässlich der Befreiung von der französischen Belagerung im Jahr 1703 abgelegt hatte.

11. das Dominnere während des Konzil (Sitzung vom 15. Juli 1563) aus einem Gemälde, im Paris Louvre Museum.

12. Nordseite der Krypta und Presbyteriumvor der Demolirung inm Jahr 1739 (Rekostruktion).

In den Jahren 1739-1740 wurde die Krypta abgebrochen, Chor und Presbyterium wurden auf die heutige Höhe gebracht.

An den beiden vorderen Kuppelpfeilern befinden sich heute noch zwei Inschriften: die eine (im Süden) bezieht sich auf den in den Jahren 1739-40 erfolgten Umbau, die andere (im Norden) erwähnt - wenn auch mit mancher Ungenauigkeit - den Sitzungsort des Trienter Konzils.

Im hohen Raum unter der Kuppel wurde der große barocke Baldachin aufgestellt, bei dem eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bernini Altar der römischen Peterskirche erkennbar ist, wobei allerdings zu beachten ist, dass hier eine rein optische Wirkung dominiert, die aus Farben, Licht und Bewegung besteht. Unter dem Baldachin erhebt sich – mit einer Mensa, die schon damals „ad populum“ (zum Volk) gebildet wurde - der Hochaltar des hl. Vigilius, als Mittelpunkt der Kirche und als Denkmal der frühesten Begräbnisstätte des Heiligen. Altar und Baldachin wurden von den Trentiner Brüdern Domenico und Antonio Sartori aus Castione bei Mori geschaffen, die dabei wertvolle, auch aus Frankreich und Afrika herbeigeschaffte Marmorteile verwendeten. Die Engel, die Putten und Symbole, die den oberen Teil des Baldachins schmücken, stammen größtenteils vom Bildhauer Francesco Oradini. In jüngerer Zeit wurde unter dem Hochaltar ein gotischer, mit Halbedelsteinen verzierter Schrein aufgestellt, der die Reliquien des Heiligen Schutzpatrons enthält.

Das Presbyterium wurde jüngst den neuen Bedürfnissen der Liturgie angepasst: So wurde der Fußboden ein wenig nach vorne verlängert und unter Verwendung einer reliefgeschmückten romanischen Chorschranke ein marmorner Ambo geschaffen. Der derzeit provisorische Bischofsstuhl sollte eine bessere Ausstattung erhalten, die auch mit dem monumentalen Sitz am Endpunkt des Chores ungepasst sei.

13. Chor und Bischofsthron in der Apsis.

Auch das Chorgestühl hinter dem Presbyterium wurde im 18. Jahrhundert von Grund auf verändert, wobei eine doppelte Reihe von Sitzen und der Bischofsthron aus geschnitztem Nussholz aufgestellt wurden. Über den Chorstühlen der Domherren befinden sich 24 geschnitzte Paneele mit Darstellung von Engelserscheinungen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Über der Sakristeitür war einst ein Bild der Madonna del Coro angebracht, eine Kopie der Gottesmutter aus der römischen Kirche Santa Maria del Popolo, die im Jahr 1466 von Bischof Johannes Hinderbach nach Trient gebracht worden war und sich heute im Diözesanmuseum befindet. Ein die Gottesmutter darstellendes Freskenfragment aus dem 15. Jahrhundert an der Chorrückwand ist der einzige Überrest einer malerischen Ausschmückung, die sich einst über den ganzen Raum hinzog.

Der Standort der neuen Orgel, die sich derzeit hinter dem Bischofsthron an der Chorrückwand versteckt, ist rein provisorisch.

14. Die Steinigung des hl. Stephan. Marmorelief in der Nebenapsis des südlichen Querhauses: von Antelam beeinflusste Plastik.

Im südlichen Querhaus tut sich eine Nebenapsis auf. Sie war dem hl. Stephan gewidmet, dessen Steinigung auf zwei Steinreliefs seitlich des Fensters wiedergegeben wird. Der Altar birgt jetzt die heiligen Überreste der drei Trentiner Märtyrer, des Diakons Sisinius, des Lektors Martyrius und des Ostiarius Alexander, denen im späten 4. Jahrhundert die erste Märtyrerbasilika geweiht wurde. Die zwei Schreine, die sie enthalten, stammen von M. Demetz (1966) und von L. Carnessali (1978).

An den Querhauswänden hat sich noch ein großer Teil der alten Freskenmalereien erhalten. Die Thronende Madonna mit Heiligen, die Kreuzigung und andere Heilige, die an der Wand über der kleinen Apsis zu sehen sind, werden der lombardischen, vielleicht bergamaskischen Schule zugeschrieben und auf das späte 14. Jahrhundert datiert. Der hl. Christophorus an der Südwand (o) weist romanische, von Verona beeinflusste Stilmerkmale auf und stammt aus dem späten 13. Jahrhundert. Der primitive, auf zwei Konsolen ruhende Sarkophag in der Ecke barg bis 1977 den Leichnam des seligen Adelpretus (mehr über ihn auf S. ???). Daneben befindet sich das Grabmal des Trentiner Feldherrn Ludovico Lodron, der 1571 an der Schlacht von Lepanto teilgenommen hatte. Neben anderen Grabmonumenten fallen die Grabplatte (p) des Roberto Sanseverino auf, der als Feldherr der venezianischen Truppen am 10. August 1487 in der Schlacht von Calliano gefallen ist; und nicht weit davon der prunkvolle Sarkophag des Bischofs Ulrich von Lichtenstein (1493-1505) mit gotischen und Renaissanceelementen geschmückt (die Tafel mit der Kreuzigung, die sich darüber befand, wird heute im Diözesanmuseum aufbewahrt). Gleich am Anfang des an das Querhaus angrenzenden Seitenschiffs führt ein kleines romanisches Portal (q) zur Treppe, die zur Kuppel und zu den Galerien ansteigt. Seine Lünette ist mit einem Relief verziert, das einen springenden Widder darstellt.

15. Hl. Christophorus, Werk eines veronesischen Malers (ca. 1290).

Im anschließenden Joch tut sich die Alberti-Kapelle (r) auf, die auch als Kruzifixkapelle bezeichnet wird. Sie wurde im Jahr 1682 auf Betreiben des Fürstbischofs Francesco Alberti-Poja errichtet, der hier auch seine Grabstätte hat. Die bauliche Anlage und die Fresken stammen von Giuseppe Alberti, einem Priester und Künstler aus Tesero, der hier ein einheitliches ikonographisches Programm um das Thema der Erlösung entwickelt hat. Die zentrale Stellung nimmt das große hölzerne Kruzifix mit Maria und Johannes ein, das sich am prächtigen, von den Steinmetzen Benedetti aus Castione geschaffenen marmornen Barockaltar befindet. Ein von Francesco Barbacovi realisiertes Marmorrelief im Tympanon über dem Altar stellt das irdische Paradies und die Ursünde von Adam und Eva dar, die von Christus, dem neuen Adam am Kreuz, gesühnt und besiegt wurde. Das große Kruzifix, ein Werk des Nürnberger Bildschnitzers Sixtus Frey (um 1505), stand ursprünglich über dem Heiligkreuz-Altar an der Frontseite des Hauptschiffes und hat somit den Konzilssitzungen „beigewohnt”. Die Andacht des Volkes verehrt in ihm auch das Hauptandenken an das Trienterkonzil.

16. Frontansicht der Kruzifixkapelle.

Zwei große Gemälde rechts und links der Kapelle stammen vom bayerischen Maler Carl Loth und seiner Werkstatt. Sie stellen die Geburt und die Auferstehung Christi dar. Sie wiesen im unteren Teil zwei ovale Marmorreliefs auf, von denen das eine die Ekstase des hl. Franziskus darstellte, das andere den Bischof Francesco Alberti, wie er vom hl. Vigilius dem Kruzifix empfohlen wird. Diese Medaillons wurden bei Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert entfernt. Das zweite befindet sich heute am Kapellenäußeren, über dem Eingangsbogen. Im Zuge dieser Restaurierung, bei denen die reichen Stuckornamente der Kapelle entfernt wurden, ließ man auch die zwei Barockstatuen von Paolo Strudel, die Maria Magdalena und Veronika darstellen und sich ursprünglich seitlich des Altars befanden, in das Schiff bringen. Bemerkenswert das schöne schmiedeeiserne Kapellengitter, das das Wappen des Bischofs Alberti-Poja trägt.

Beim Weitergang durch das südliche Seitenschiff trifft man auf den diskret an der Wand aufgestellten Anna-Altar (s), dessen Altarbild aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts dem Maler Marcello Fogolino zugeschrieben wird. Im vorletzten Joch steht der prunkvolle Altar der Schmerzensmutter (t) von Domenico und Antonio Sartori; im Jahr 1772 errichtet, um das hoch verehrte hölzerne Gnadenbild der kostbar gekleideten Jungfrau aufzunehmen.

17. Altar der Schmerhaften Mutter.

In einem Arkosolium am Fuß der Fassadeninnenseite liegt Calepino Calepini begraben (u), ein 1495 verstorbener Trentiner Rechtsgelehrter. Über diesem Bogengrab hängt ein großes Gemälde von Giuseppe Alberti, das den hl. Franziskus und den hl. Antonius von Padua darstellt. Etwas weiter rechts, schon im Hauptschiff, erhebt sich das Grabmal des berühmten, aus Siena stammenden Naturkundlers und Botanikers Pietro Andrea Mattioli, der Hofarzt des Kardinals Bernhard von Cles war und im Jahr 1577 in Trient gestorben ist.

Auf der anderen Seite des Haupteingangs befindet sich, symmetrisch zum Grab Mattiolis, das Grabmal des Grafen Leonardo Nogarola. Aus einer veronesischen Adelsfamilie stammend, war er ein Ratgeber von König Ferdinand, der ihn beim Konklave des Jahres 1534 beauftragte, sich dafür zu verwenden, dass der Kardinal von Trient zum Papst gewählt würde.

Nördliches Seitenschiff. An der Nordwand des Seitenschiffs trifft man auf einen reich verzierten Barockaltar (v), der aus der Kirche San Lorenzo stammen soll und ein Altarbild von Domenico Udine (1824) besitzt, das den hl. Antonius mit dem Jesuskind darstellt.

Es folgen drei weitere Grabmäler: vom Hofarzt Giulio Alessandrini (gest. 1590), vom Dompropst Liduino Piccolomini (gest. 1680) und vom Archidiakon Girolamo Roccabruna (gest. 1599). Der folgende Altar (w), an dem die vom Bildhauer Cristoforo Benedetti geschaffenen Marmorstatuen des hl. Karl und des hl. Ferdinand stehen, wurde auf Betreiben des Dompropstes Carlo Ferdinando Lodron (gest. 1730) errichtet. Auf dem von Nicolò Dorigati gemalten Altarbild ließ der Auftraggeber verschiedene Heilige darstellen, die - wie der hl. Ruprecht, der Schutzpatron von Salzburg - in seiner Familie besondere Verehrung genossen.

18. Altar mit Statuen des hl. Karl und des hl. Ferdinand (1695) und Altarbild mit Mariä Himmelfahrt und meheren Heiligen.

Dem Nordeingang gegenüber befindet sich bei einem Pfeiler ein schönes Weihwasserbecken im Renaissancestil, das der Domherr Johannes Ortwein im Jahr 1515 gestiftet hat (das ursprüngliche Becken ist später ersetzt worden). Im letzten Joch erhebt sich das Grabmal (x) vom Kardinal Bernhard von Cles, dem berühmtesten Fürstbischof von Trient, der zugleich auch ein Politiker europäischen Ranges war und als Mäzen die Vorherrschaft der Renaissance in Trient erwirkte. Er starb in Brixen, zwei Tage nach dem hier angeführten Datum, nämlich am 30. Juli 1539.

19. Legende des hl. Julian im nördlichen Querhaus: Abschid von der Mutter und Ankunft in der Stadt.

Das nördliche Querhaus dient auch als Taufkapelle. Das in der Mitte aufgestellte Taufbecken (y) ist ein Werk von Francesco Oradini (gest. 1754). Große Bedeutung kommt den hier vorhandenen Freskenmalereien zu. An der Nordwand unter der Fensterrose zieht sich ein Bildstreifen hin, auf dem in acht Szenen die schicksalhafte Geschichte des hl. Julian erzählt wird: von der Prophezeiung und seinem Weggang von zu Hause bis zur Hochzeit und der irrtümlichen Tötung seiner Eltern. Der Maler hat seine Signatur an der Mauer der betürmten Stadt in der Mitte des Freskenzyklus hinterlassen: es handelt sich um Mons de Bononia, einen noch nicht eindeutig identifizierten Meister, der um 1365 im Umkreis von Vitale da Bologna gewirkt haben soll. Unter der Legende des hl. Julian befinden sich verschiedene Freskenfragmente, die von unterschiedlichen Künstlern der damaligen Zeit geschaffen wurden und folgende Szenen darstellen: Enthauptung Johannes des Täufers (Tommaso von Modena zugeschrieben), Maria mit Kind, Gnadenstuhl, Vermählung der hl. Katharina, Erscheinung des Auferstandenen vor Maria Magdalena, Geburt Christi und Tod Mariens (die zwei letztgenannten Arbeiten sind vom Stil Giottos geprägt). Der auf zwei Konsolen ruhende Steinsarg enthielt bis 1977 die sterblichen Überreste des Fürstbischofs Bartolomeo Querini (1304-1307). An der linken Seite steht jetzt die sogenannte „Madonna der Ertrunkenen”, die sich früher in einer Nische der Außenwand neben dem Bischofsportal befand. Ein großer Sarkophag ihr zu Füßen bewahrt den verehrten Leichnam des Bischofs Johann Nepomuk von Tschiderer (1834-1860), der am 30. April 1995 von Papst Johannes Paul II. in Trient seliggesprochen wurde.

20. Die Madonna der Ertrunkenen war ursprünglich farbig bemalt. Sie ist dem feierlich-würdevollen Vorbild der byzantinischen Ikonen nachgebildet,wird aber von grösserer plastischer Solidität und einer Spur volkstümlicher Lebendigkeit geprä?gt.Das Werk wird auf die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert.

Die Apsis ist bedeutend größer als ihr Pendant im südlichen Querschiff. Ein Fenster ist nach links verrückt worden, um das seitliche Licht von außen zu erhalten. Ein nach rechts verzogenes steinernes Relief schildert das Martyrium des Apostels Johannes, der zur Folterung in siedendem Öl verurteilt worden war (die Arbeit wird dem „Meister des Glücksrads” zugeschrieben). Das Fresko, das die Kreuzigung, die hl. Maria, den hl. Johannes und eine gekrönte Gestalt (die hl. Helene oder die Kirche) darstellt, ist stilistisch dem 13. Jahrhundert zuzurechnen. Die beiden weiblichen Heiligen weiter rechts gehören zu einem späteren Fresko, das auf die Mitte des 14. Jahrhunderts datiert wird.

21. Marmorrelief des Hl. Johannes und Fresken an der Seitenapsis.

Zur Sakristei (a) begibt man sich durch den Gang zwischen dem nördlichen Querhaus und der Westseite des Castelletto. An der Außenseite des Domchors ist bis heute noch die Türnische zu erkennen, an der man die Bodenhöhe des Chors bis zum Jahr 1739, als noch die Krypta bestand, ablesen kann. Gleiche Höhe hatte auch der Boden der Pfalzkapelle im Inneren des Castelletto. Darunter befand sich eine weitere Kapelle, von der im Souterrain noch die Türschwelle zu sehen ist. Bei den im 18. Jahrhundert vorgenommenen Umbauten wurden die Geschosse zergliedert, sodaβ die Sakristei jetzt den oberen Teil der Kapelle Johannes des Täufers und den unteren Teil der dem hl. Blasius geweihten Pfalzkapelle einnimmt. Vor und nach dieser Auflösung der Geschosse diente der Raum auch als Kapitalsaal und als Saal zur Wahl der Fürstbischöfe.

22. Heilthumsaltar.

Die großen Schränke in der Sakristei stammen aus jüngerer Zeit. Besonders beachtenswert ist der Heiltumsaltar an der Apsisrückwand, dessen zwei bemalte Türen auf die Zeit um 1741 datiert werden. Die Einrichtung der zweiten Sakristei, die heute als Kapitelsaal benutzt wird, besteht aus prächtigen, in den Jahren 1745-48 geschaffenen Schränken, über denen die Wappen der 17 auftraggebenden Domherren figurieren. Darüber hängen noch sechs kleinformatige Gemälde mit Szenen aus dem Leben des hl. Antonius von Padua, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts von einem anonymen veronesischen Maler geschaffen worden sind. In diesem Raum befindet sich auch ein Fresko eines veronesischen Künstlers des 14. Jahrhunderts, mit Christus am Kreuz, Maria und Johannes, daβ von der Apsiswand am nördlichen Querhauses abgelöst wurde.

23. Schränke mit dem Wappen der Domherren.

DIE UNTERKIRCHE

Die Archäologischen Untersuchungen, die in den Jahren 1964-1977 unter Leitung von Iginio Rogger durchgeführt wurden, haben die Freilegung der Unterirdischen Räumen erwirkt und die Überreste der frühchristlichen Basilika mit ihren mehrfachen Umbauten ans Licht gebracht.

Der Eingang für das Publikum befindet sich an der inneren Ecke des nördlichen Querhauses (z). Der Ordnungsdienst wird vom Personal des Diözesanmuseums geleistet.

Der Zugang zu den unterirdischen Räumen führt über eine der Seitentreppen der im Jahre 1739 niedergelegten Krypta. Von dieser spätromanischen Krypta, die zum heutigen Dom gehört, ist noch der Fußboden erkennbar (ungefähr am Niveau des heutigen Durchgangs), verschiedene Elemente der drei frontalen Eingänge und der gegliederten Flanken, sowie auch die hinteren Fenster unter dem Chor, die den Schluβteil des Raumes beleuchten.

24. Grundriss der Unterkirche (die Zahlen verweisen auf den Text).

Zu einem Besuch der frühchristlichen Basilika ist es ratsam, sich zuerst durch den ganzen Raum unter dem Hauptschiff des Doms bis zum ehemaligen Hauptportal (l) zu begeben. An seiner Außenseite ist noch der ursprüngliche Fußboden des Vorraumes zu sehen, der in Form einer Säulenvorhalle oder vielleicht eines vierseitigen Portikus bestand und etwa ein halbes Meter tiefer lag.

Hier sind heute auch einige unzusammenhängende Elemente aufbewahrt, worunter die großen Grabplatten des Fürstbischof Ulrich von Frundsberg (gest. 1493) die wegen den Grabungen ihren Ursprünglichen Sitz verloren haben.

25. Rekostruktion der ersten, un 400 entstandenen Basilika mit Vorhalle (G. Seebach).

Auf dieser Bodenhöhe entstand Ende des vierten Jahrhunderts die erste Anlage der Vigiliuskirche, die zum Teil auch gewisse Mauerzüge von älteren profanen Bauten verwendete, die rechtwinklig zur römischen Straße verliefen. Der größte und bedeutendste dieser Mauerreste wurde als Stirnseite der Kirche verwendet. Wie gewissenhafte Untersuchungen an der südöstlichen Ecke der Vorhalle ergeben haben, handelt es sich um die Außenmauer eines Wohnhauses aus dem 1. Jahrhundert.

Durch Einfügung von drei Türen wurde sie der neuen Zweckbestimmung angepasst.

Im frühen 6. Jahrhundert wurden an dem gesamten Gebäude erhebliche bauliche Veränderungen angebracht. Mit Beibehaltung der Hauptmasse des Innenraumes (Breite 14,30 m., Länge über 43m.) wurde der ganze Fußboden des Langhauses mit einer einheitlichen Lage von Bodengräbern (formae) belegt (einige davon sind im westlichen Teil inwendig sichtbar, mit Impermeabilisierung aus rötlichem Tonmörtel überzogen) und mit großen Steinplatten bedeckt die den neuen Fußboden bildeten (2). Im östlichen Teil - 32,45 m. von der Fassadeninnenseite entfernt - war das Langhaus um eine Stufe erhöht und von Chorschranken abgegrenzt (3). Die Deckplatten trugen Inschriften, die in Bruchstücken noch aufbewahrt sind: so das griechische Epitaph eines antiochenischen Händlers namens DIAS (4), die lateinische Inschrift zu Ehren des Priesters Metronius, der als Kustos dieser Basilika bezeichnet wird (5), und die Tafel auf dem noch intakten Grab des V.S. CENSORIUS (6). All diese Gräber sind so angelegt, daβ sie ein echtes retrosanctos bilden, wo die Gräber der Christen sich dicht an die Grabstätten der Heiligen drängen und somit mit ihren Koordinaten auf ihre genaue Stellung weisen. Eine aufmerksame Lesung der hagiographischen Texte konnte einwandfrei erweisen, das sich hier das Märtyrerheiligtum der drei Nonsberger Missionare befinden musste, daβ als unteilbares Element zur Konstituierung ihres Kultes gehört. Die Verehrung ihres Bischofs Vigilius wurde durch seine Beisetzung ad sanctos als enge Teilnahme an ihrem Verdienst bestätigt.

26. Fussboden der Kirche des 6. Jahrhunderts mit Bodengräbern.

Im Zuge dieser Umbauarbeiten wurde auch die Schwelle des Haupteingangs durch die Anlage eines gestuften Podests (7) erhöht, das gegen die Vorhalle führte. Gleichzeitig wurde die Fassadenmauer durch zwei kräftige Halbpilaster verstärkt, von denen ein Portikus ausging (8).

Bei Besichtigung der Unterkirche sollte man beachten, dass die frühchristliche Basilika in ihrer Breite über die seitlichen Mauerblöcke hinaus reicht, die zur Abstützung der Pfeiler der Oberkirche angelegt wurden. Auch die beiden vorderen Blöcke, an denen die zwei Marmortafeln mit dem Verzeichnis der Trentiner Bischöfe lehnen, gehören zur Struktur des obigen Domes und seiner Krypta.

In dem Hauptraum befindet sich an der Nordseite ein bei den Grabungen in der Vorhalle leer gefundener Sarkophag (9), in dem 1977 die sterblichen Überreste des Fürstbischofs Adelpretus beigesetzt wurden (s. weiter oben, S. …).

Erst in jüngster Zeit ist die Geschichte von diesem Adelpretus, Schlüsselfigur des Trentiner Mittelalters, der am 20. September 1172 bei Arco von aufständischen Lehnsherren ermordet wurde, besser geklärt worden. Durch die Tatsache, daβ die Kultgeschichte dieses geistlichen Oberhaupts jetzt revidiert worden ist, hat er seine eigentliche Beziehung zur alten Basilika wiedergevonnen, wo er ursprünglich in einem der Bodengräber die letzte Ruhestätte gefunden hatte.

27. Sarkophag mit Darstellung der Ermordung Adelprets (Original im Diözesan-Museum). Am Rand der Decke liest man den Vers: PATOREM IUGULAVIT OVIS RES MIRA ORBEM (Hand des 12. Jahrhunders registriert, im Sacramentarium Udalricianum).

Besondere Beachtung verdienen unter den hier ausgestellten Gegenständen eine an der Nordseite aufgestellte Chorschranke mit Flechtbandornamenten (10) und ein großer Steinsarg in der Raummitte. Dieser wurde früher auf das 6. Jahrhundert datiert, während dagegen die heutigen Untersuchungen ihn zum 12. Jahrhundert verweisen, der gleichen Zeit wie die am oberen Rand verlaufende Inschrift die zu Ehren der drei Nonsberger Märtyrer und des heiligen Bischofs Vigilius verfasst ist (11). Es bleibt allerdings noch ungeklärt, an welcher Stelle der alten Basilika der Sarg angebracht war, bevor er im neuen Dom des 13. Jahrhunderts als Kern des Altars im erhöhten Presbyterium Verwendung fand.

28. Marmorsarg mit Inschrift zu Ehren der Nonstaler Märtyrer und des hl. Vigilius.

Ein letzter Blick auf die Architektur dieses Hauptschiffes enthüllt dem Besucher die tiefgreifende Änderung, die das Gebäude seit dem 11. Jahrhundert erfahren hat. Das ursprünglich einschiffige Langhaus wurde durch eine doppelte Reihe frühromanischer Pfeiler, die Bogen und Gewölbe tragen sollten, in drei Schiffe unterteilt. In einem Joch des rechten Schiffs ist der Block eines Seitenaltars (12) zu sehen, während sich etwas weiter vorn in der Südwand noch ein Seitenportal auftut (13). Diese ist die Kirche, die die Kaiser Heinrich II. und Konrad II. mit wichtigen Gebetsverbrüderungen bereichert haben und als Teilhaberin der Verleihung der Grafschaftsrechte an die Fürstbischöfe von Trient benannt haben.

Die heutige Ausstattung des Fußbodens, die die Umrisse der ursprünglichen Grabschächte soweit wie möglich respektiert, hat auch die sterblichen Reste von früheren Trentiner Bischöfen aufgenommen, deren Gräber von geschichtlichen Wechselfällen oder bei den jüngst durchgeführten Ausgrabungen zerstört worden sind. Auch die Leichname der Bischöfe, die vom Ende des 18. Jahrhunderts an in der Grabkammer der Alberti-Kapelle bestattet worden waren, wurden hierher überführt. In dieser heute wurdig gestalteten Begräbnisstätte der TrentinerBischöfe wurden auch die zwei in jüngster Zeit verstorbenen Bischöfe beerdigt, nämlich Giovanni Sartori (1998) und Alessandro Maria Gottardi (2001). Die in den alten formae entdeckten frühchristlichen Skelettreste befinden sich heute in nummerierten Metallkisten in den Schächten beim Haupteingang.

29. Südwestliche Ecke des Bemas des Presbyteriums mit davor liegendem Mosaik.

Im östlichen Teil der unterirdischen Basilika setzt sich die Reihe der von Grabplatten bedeckten Bodengräber ununterbrochen fort (6). Zu einem großen Teil ist hier noch die Mörtelschicht erhalten, mit der diese Gräber zu einem gewissen Zeitpunkt überzogen wurden. Die Mörtelschicht war hier mit einer weiten Dekoration von Bodenmosaiken versehen, die dank der erhaltenen Fragmente weitgehend rekonstruiert werden konnte.

Gleichzeitig wurde auch ein neues Presbyterium mit nach vorn erweitertem Bema angelegt, von dem noch die Vorderstufe mit den Vertiefungen erhalten ist, in denen die Stützen der Chorschranke verankert wurden. Das Mosaik und andere Vergleiche ermöglichen eine Datierung dieser Arbeiten auf das späte 6. Jahrhundert, wahrscheinlich in der Regierungszeit von Bischof Agnellus (577-über 591 hinaus). Auf diesem bis zur Apsis reichendem Bema befanden sich – nach der Typologie von vielen anderen Basiliken aus dem 6. Jahrhundert - das Grabmal der Heiligen, der Altar und die halbkreisförmige Priesterbank als Abschluss des Presbyteriums. Leider sind in Trient diese Strukturen nicht mehr erhalten; denn im Abstand von 2,40 m. von der vorderen Stufe wurde im 11. Jahrhundert die Quermauer (14) der Krypta von Bischof Ulrich II. (1022-1055) eingesenkt, die den vordersten Teil der alten Grabschächte zerstörte. Über der Krypta entstand ein erhöhtes Presbyterium, zu dem man von vorne über Stufen aufstieg, die hier noch manches Fragment hinterlassen haben. Dieser erhöhte Baukörper war mit den kräftigen Pfeilern des Längsschiffs fest verbunden und entwickelte sich später zu einer Vierung, deren Querhausarme auch die zwei Seitenkapellen eingliederten. Auf diese letzte Umbauphase geht auch die heute sichtbare innere Ausgestaltung der Krypta zurück, die im Jahr 1145 von Bischof Altmann vollendet wurde. Aus dem vordersten Teil der beiden Seitenschiffe führte jeweils eine Treppe zur Krypta hinab (15), die man seitwerts durch Bogengänge (16) betrat (die beiden Seitenflügel sind heute nicht mehr sichtbar, da sie von den Grundmauern des neuen Domchors abgeschnitten worden sind). In der Apsis stand ein Altar, dessen Mensa aus Fragmenten einer frühchristlichen Altarplatte rekonstruiert worden ist (17). Am anderen, quadratisch ausgeformten Ende der Krypta befinden sich seit Altmanns Zeiten die Reliquien einer bedeutenden Heiligen namens Maxentia, die von der Bevölkerung als Mutter des hl. Vigilius verehrt wurde (18).

30.Die Altemann'sche Krypta, mitterer Teil.

Die seitlichen Halbsäulen und die Säulenfüße rings um den Altar sprechen dafür, dass die Wölbung dieses Raumes auf drei gleich hohen Längsschiffen ruhen sollte. Seitlich der Apsis sind heute zwei monumentale Grabplatten zu sehen, die sich ursprünglich auf Gräbern im höher gelegenen Boden der neueren Krypta befanden: Die nördliche gehört dem Bischof Albert von Ortenburg (gest. 1393), die südliche dem Bischof Georg Hack (gest. 1465).

Zur alten Basilika gehörten ferner die zwei Seitenkapellen, die man heute durch Gittertore erreicht und die über die Breite der späteren Domkrypta hinausragen. Diese beiden gleichförmigen Kapellen weisen jeweils eine nach Osten ausgerichtete Apsis und eine rechteckige, seitlich von zwei Säulen begrenzte Nische auf. In dieser Form sind die zwei Kapellen im Laufe des 8. Jahrhunderts seitlich an die alte Basilika angefügt worden. Die südliche Kapelle (19) enthält heute in der Nische einen langobardischen Sarkophag aus dem 7. Jahrhundert, der leer unter dem Fußboden dieses Raums aufgefunden worden ist.

31. Niesche der südlichen Kappelle mit einem longobardischen Sarkophag des 8. Jahrhunderts.

Davor zieht sich die kaum erhöhte Kante einer sehr viel älteren Mauer hin, die vielleicht als Brüstung gedient hatte. An der Nordseite der Kapelle liegen nebeneinander, dicht bei der Grundmauer der frühchristlichen Kirche, drei ältere Bodengräber. Die nördliche Kapelle (20) trägt an der Apsis ein Freskofragment mit Faltenwurf aus dem 11. Jahrhundert, in der Seitennische dagegen ein Grab, über dem auf einem Mosaikfragment noch ein Name zu lesen ist: … IS HATTO QUIESCO (ein Bischof namens Hatto wird in Trient zwischen 1055 und 1057 bezeugt).

32. Teilansicht des Arkosolium von HATTO.

In der nördlichen Kapelle befindet sich heute auch ein Info-Point, in dem der Besucher ausführliche Erläuterungen zur Baugeschichte dieser unterirdischen Basilika erhält. In beiden Kapellen sind außerdem weitere bemerkenswerte archäologische Fragmente zu sehen, die im Zuge der Ausgrabungen ans Tageslicht gekommen sind.


LITERATUR

N. Toneatti, Saggi d’illustrazione del Duomo di Trento, Trento 1872. V. Zanolini, Per la storia del Duomo di Trento, in: Atti dell’I.R. Accademia degli Agiati in Rovereto, Serie III. Bd. V (1899), S. 97-166. S. Weber, I maestri comacini a Trento, in: Rivista Tridentina, VIII (1908), S. 201-221. Ori e argenti dei santi. Il tesoro del duomo di Trento, hrsg. von E. Castelnuovo (mit Beiträgen von E. Castelnuovo, M. Collareta, W. Koeppe, M. Lupo, A. Della Latta, D. Digilio, E. Pagella, C. Piglione), Trento 1991. Il Duomo di Trento. Architettura e scultura, hrsg. von E. Castelnuovo (mit Beiträgen von E. Castelnuovo, A. Peroni, I. Rogger, G. Seebach, B. Passamani, S. Lomartire), Trento 1992. Il Duomo di Trento. Pitture, arredi e monumenti, hrsg. von E. Castelnuovo (mit Beiträgen von A. Bacchi, M. Bellabarba, E. Castelnuovo, S. Castri, M. Collareta, E. Chini, W. Koeppe, E. Mich), Trento 1993. L’antica basilica di S. Vigilio in Trento. Storia, archeologia, reperti, hrsg. von I. Rogger und E. Cavada (mit Beiträgen von I. Rogger, G. Seebach, R. Oberosler, E. Cavada, B. Kainrath, H. Stadler, D. Mazzoleni, S. Tavano, P. Porta, G. Fogliardi, R. Zuech), 2 Bde. Trento 2001.


© 2004 - Tutti i diritti riservati

Museo Diocesano Tridentino

38100 Trento - Piazza Duomo

Tel. 0461 234419 museodiocesano@iol.it - wwww.museodiocesanotridentino.it

Fotos: Archivio Museo Diocesno Tridentino (fotos di Gianni Ceri Studio Lambda, Mario Ronchetti e Gianni Zotta); Graphik: G. Weber; Impianti: Artilitho; Druk: Publistampa; Uebersetzungskontrolle: Karin Krieg.